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Raumwelten 2017: Ordnung & Transformation

Wie beeinflussen digitale Transformation, ökonomischer und gesellschaftlicher Wandel unsere Wissens- und Arbeitswelten, Messen und Showrooms, Museen und Ausstellungsgestaltung?

Nina Bammer & Siegfried Miedl besuchten Ende November den Raumwelten Kongress in Ludwigsburg…

Die multioptionale Gesellschaft und das Bedürfnis nach einer „neuen Ordnung“

Veränderungsprozesse verunsichern. Sie verstärken das menschliche Bedürfnis nach Orientierung und Ordnung – so weit, so bekannt. Einfache Konzepte sind nicht länger geeignet, zufriedenstellende Antworten auf das zu liefern, was noch nie da war und sich sprunghaft weiterentwickelt. In einer Zeit, die uns 24/7 mit Informationen und Möglichkeiten flutet, manifestiert sich der Wunsch nach Ordnung auch räumlich.

Raumwelten fragte: Wie können Architekten und Szenografen den Wandel kreativ und konstruktiv gestalten? Wie können sie neue Technologien und Trends aufgreifen um zeitgemäße Raumprogramme und -ordnungen zu entwickeln?

Spannende Fragen ohne verbindliche Antworten, denn…

Alles ist (in) Bewegung, nichts ist fix

Nina Bammer:

Es ist zu beobachten, dass viele Menschen sich in der neuen „Cloud“ etwas orientierungslos fühlen. Die Wolke einfangen zu wollen ist jedoch der falsche Weg. Wir müssen als Gesellschaft akzeptieren, dass es kein Zurück zur alten Ordnung gibt. Parallel zur exponentiellen Entwicklung virtueller Räume findet ein grundlegendes Neudenken statt. Physische Räume erhalten mehr als je zuvor eine soziale Funktion als Plattform für Emotion und Narration, Spiel und Erlebnis, während sich im Hintergrund neue, auf Algorithmen und künstlicher Intelligenz basierende Ordnungs- und Gestaltungsprinzipien etablieren.

Für Architekten und Designer sind emergente Phänomene höchst spannend!  Wir spüren „da liegt etwas in der Luft“. Es liegt an uns (allen), ständig neue Herausforderungen zu erkennen, ihnen mutig zu begegnen sowie schnell, flexibel und organisch zu reagieren. Wir dürfen vor dem Unfertigen keine Angst haben. „Der Prozess ist das Ziel“ ist auch auf Räume anwendbar.

Siegi Miedl: 

Messegestaltung beschäftigt sich mit der Transformation und Dynamik von vergänglichen Räumen. Wir müssen verstehen: An den vielfältigen Kontaktpunkten vor, während und nach einer Messeteilnahme entsteht permanente Interaktion zwischen Ausstellern und Besuchern. Diese Punkte verlangen nach achtsamer Gestaltung –  kommunikativ und architektonisch, experimentell und im besten Sinne ergebnisoffen. Aussteller auf Messen sollten nicht zögern, auch ungewohnte Wege zu gehen und unvermutete Räume zu öffnen, die emotionales Erleben im Kontakt mit der Marke fördern.

Als Messearchitekten sind wir jetzt herausgefordert, traditionelle Hierarchien und Chronologien im Raum zu durchbrechen. Wir befinden uns in einem Spannungsfeld zwischen Freiheit und Führung: Wie bewegen sich Menschen durch den Raum, was leitet ihre Aufmerksamkeit und wie reflektiert sich dies in ihrem Verhalten? Gleichzeitig lernen wir durch genaue Beobachtung, wie wir Aufmerksamkeit durch bewusste Eingriffe in Raumlayout, Präsentation und Kommunikation steuern und die Besucherinteraktion verbessern können. Neue Technologien und Phänomene wie Augmented Reality und Gamification werden dabei zu szenografischen Begleitern.